← Zurück zum Blog 28. Juli 2026

Drei Orte, ein Graffiti: das Wandbild fürs Hoff­nungs­Haus

Drei Orte, ein Graffiti: das Wandbild fürs HoffnungsHaus

Drei Orte, ein Bild

Wer durchs Stuttgarter Leonhardsviertel läuft, kennt die Kontraste: enge Gassen, Kopfsteinpflaster, historische Sandsteinfassaden mit Rundbogenfenstern – und mittendrin das, was die Stadt seit Jahrzehnten als Rotlichtviertel kennt. Genau hier steht das HoffnungsHaus in der Leonhardstraße 1.

Das Graffiti-Wandbild mit dem Schriftzug HOFFNUNGSHAUS hat drei Stationen hinter sich: Angefangen hat es draußen vor dem Haus, während eines Stadtteilfests im Leonhardsviertel – live, vor Publikum. Vollendet wurde es danach bei den Apis in der Furtbachstraße in Stuttgart-Süd. Und heute hängt die fertige Wand dort, wo sie hingehört: im Inneren des HoffnungsHauses.

Leere weiße Klapptafel aus mehreren Segmenten, aufgestellt vor einer Sandsteinfassade mit drei Rundbogenfenstern und einer Lampe, Untergrund mit Plane abgedeckt.
So fing es an: die weiß grundierten Platten vor der Fassade.

Station 1: Live vor dem Haus

Am Anfang standen mehrere große, weiß grundierte Holzplatten, zu einer durchgehenden Wand zusammengestellt, direkt an der Sandsteinfassade mit den Rundbogenfenstern. Auf dem Boden Vlies, davor Kopfsteinpflaster – und ringsum ein Fest.

Live vor Publikum zu sprühen ist etwas anderes als eine ruhige Auftragsarbeit. Es gibt keine zweite Chance auf den ersten Eindruck, Leute schauen zu, fragen, bleiben stehen. Am Ende des Tages stand der Schriftzug: HOFFNUNGSHAUS in kräftigem Orange und Rot, schwarz konturiert, dahinter blauer Himmel, darunter grün-gelbe Schwünge und eine Hügellinie. Die Grundkomposition war da.

Station 2: Vollendet in der Furtbachstraße

Was bei einem Fest nicht geht, ist die Feinarbeit. Die Platten wanderten deshalb zu den Apis in die Furtbachstraße, und dort entstand in Ruhe der Rest: die grüne Stadt-Silhouette, die weißen Lichtpunkte, die Ausarbeitung der Buchstaben, die kleine rote Figur am rechten Rand, die Signatur.

Vergleicht man die Fotos vom Fest mit dem fertigen Werk, sieht man genau diesen Unterschied – dieselbe Wand, zwei Zustände. Das ist der Teil der Arbeit, den man auf keinem Event sieht.

Station 3: Angekommen im HoffnungsHaus

Heute hängen die Platten im HoffnungsHaus. Und das ist der Punkt, an dem das Bild seine eigentliche Bedeutung bekommt.

Das Gebäude in der Leonhardstraße 1 wurde 1769 erbaut. Über viele Jahre lief im Erdgeschoss eine Bar, in den oberen Stockwerken wurde angeschafft. Dann vermietete der Eigentümer das Haus an die Apis – und aus dem früheren Bordell wurde das HoffnungsHaus.

Heute ist es ein Café und ein Zufluchtsort für Frauen, die in der Prostitution arbeiten oder gearbeitet haben. An mehreren Abenden pro Woche gibt es dort warmes Essen, Gespräche und medizinische Hilfe, dazu kreative Angebote und einen Ort, an dem man einfach sein darf. Der Name des Hauses ist damit kein Schmuck, sondern Programm.

Ein Schriftzug an dieser Adresse ist deshalb keine Dekoration – er benennt, wofür ein Haus steht, an einem Ort, an dem man das nicht selbstverständlich erwartet. Und weil die Wand drinnen hängt, sehen sie vor allem die, um die es geht: die Frauen, die durch diese Tür kommen.

Im Logo des HoffnungsHauses steckt ein kleiner grüner Setzling, der über einer geschwungenen grünen Kuppe aufgeht. Dieses Motiv wurde im Wandbild bewusst aufgegriffen: Die grün-gelben Schwünge unter dem Schriftzug und die grüne Hügellinie führen den Gedanken des Logos in die Bildsprache des Graffiti weiter – aus einem kleinen Zeichen im Briefkopf wird eine mehrere Meter breite Bewegung an der Wand.

So etwas ist der Unterschied zwischen einem hübschen Schriftzug und einer Auftragsarbeit: Das fertige Bild trägt die Handschrift des Künstlers und erzählt trotzdem die Geschichte des Auftraggebers.

Das Leonhardsviertel: eines der ältesten Viertel der Stadt

Das Leonhardsviertel gilt als eines der ältesten Viertel Stuttgarts, benannt nach der Leonhardskirche, die dem Quartier seinen Namen gab. Wer heute vom Viertel spricht, denkt zuerst an die Schlagworte Rotlichtviertel und Ausgehviertel – dabei ist die Realität vielschichtiger: Traditionskneipen, Weinstuben, Handwerksbetriebe und eben auch soziale und kirchliche Einrichtungen haben hier ihren Platz. Feste im Viertel bringen genau diese Welten für ein paar Tage zusammen.

Dass ausgerechnet ein Graffiti bei so einem Fest entsteht, passt zur Geschichte der Kunstform: Graffiti und Street Art waren immer ein Mittel, sichtbar zu machen, was sonst kaum durchdringt.

Zweimal für die Apis

Träger des HoffnungsHauses sind die Apis, der Evangelische Gemeinschaftsverband Württemberg. Und die Furtbachstraße, in der das Bild vollendet wurde, ist kein zufälliger Ort: Dort ist bereits ein anderes Graffiti-Projekt entstanden – mit Kindern im Ferienprogramm, ebenfalls auf Holzplatten, für die Api-Homezone.

Zweimal derselbe Auftraggeber, zweimal Holzplatten, zwei völlig verschiedene Aufgaben: einmal mit einer Gruppe Kinder, einmal allein als Auftragsarbeit für ein Haus im Rotlichtviertel.

Nachzulesen ist das hier: Wie ein Ferienworkshop zwei Holzplatten in ein Kunstwerk verwandelte – und das Projekt selbst unter Graffiti-Workshop bei den Apis Stuttgart-Süd.

Warum Holzplatten

Ein Werk auf Platten zu sprühen statt direkt auf die Wand hat handfeste Vorteile: Es lässt sich live bei einer Veranstaltung anfangen, an einem anderen Ort in Ruhe fertigstellen und am Ende dort aufhängen, wo es hingehört. Es geht auch dort, wo an der Wand selbst nicht gesprüht werden kann oder darf – in Mietobjekten, in historischer Bausubstanz, in Räumen, die später wieder anders genutzt werden. Und es kann umziehen.

Wer selbst ein Wandbild, einen Schriftzug oder ein Live-Graffiti für eine Veranstaltung sucht – ob in Stuttgart, in Baden-Württemberg oder anderswo –, kann auf Open Mikes Erfahrung als Graffiti-Künstler zurückgreifen. Neben Auftragsarbeiten wie dieser bietet er auch Graffiti-Workshops deutschlandweit an: Er kommt mit Farben, Konzept und Erfahrung direkt zu Schulen, Jugendeinrichtungen, Firmen oder Gemeinden vor Ort.

Bilder aus dem Projekt

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