Wie ein Ferienworkshop zwei Holzplatten in ein Kunstwerk verwandelte

Eine Ferienwoche voller Kreativität
Wenn Schule und Alltag für ein paar Tage Pause machen, füllt sich manche Jugendeinrichtung mit Musik, Farbe und jeder Menge Energie. Genau das passierte bei „Music Moves“, einer einwöchigen Ferienaktion der Apis Stuttgart in der Api-Homezone in Stuttgart-Süd. Statt eines einzelnen Programmpunkts gab es mehrere Workshops parallel: Musik, Rap, Tanz – und Graffiti mit Open Mike von Graffiti Coach World.
Wer in Stuttgart nach einem Graffiti-Workshop für Kirche, Gemeinde oder Ferienprogramm sucht, findet oft klassische Malaktionen oder Bastelnachmittage. Die Apis Stuttgart haben sich bewusst für etwas anderes entschieden: eine echte Sprühdosen-Aktion, die Kindern zeigt, wie aus Buchstaben und Farbe ein fertiges Kunstwerk wird – inklusive Technik, Planung und gemeinsamem Gestalten.
15 Kinder, zwei Platten, ein Werk
Im Hof der Api-Homezone in der Furtbachstraße wurde gesprüht, skizziert und gemeinsam überlegt, wie Schriftzug und Motive am besten zusammenpassen. Statt auf eine Wand ging es auf zwei große Holzplatten – jede rund zwei mal zwei Meter groß. Zusammengesetzt ergeben sie ein Gesamtbild mit dem Schriftzug GRAFFITI · RAP · MUSIC · DANCE, Breakdancer-Silhouetten, einer Boombox und dem Logo der Aktion.
Die Wahl von Holzplatten statt einer festen Wand hat einen praktischen Vorteil, der gerade für kirchliche Träger und Jugendeinrichtungen interessant ist: Das Werk ist mobil. Es kann nach dem Workshop an einen festen Platz gebracht werden, ohne dass eine Fassade oder ein Raum dauerhaft verändert wird. Genau das ist bei den Apis passiert – die Platten hängen heute fest in der Api-Homezone und sind so ein sichtbares Andenken an eine Woche, die weit über reines Beschäftigungsprogramm hinausging.

Graffiti als Teil kirchlicher Jugendarbeit
Die Api-Homezone versteht sich als offener Treffpunkt für Kinder und Jugendliche im Stuttgarter Süden – unabhängig von Konfession oder familiärem Hintergrund. Musik, Bewegung, Kreativität: Genau in dieses Konzept passte ein Graffiti-Workshop gut hinein. Es ging nicht um Missionierung, sondern um ein niedrigschwelliges Angebot, bei dem Kinder etwas Neues ausprobieren, selbst gestalten und am Ende mit Stolz auf ein fertiges Werk blicken können.
Für Gemeinden, Kirchengemeinden und christliche Jugendarbeit in Stuttgart und der Region ist das ein Beispiel dafür, wie sich Ferienangebote erweitern lassen: Ein Graffiti-Workshop bringt Bewegung, Teamarbeit und ein bleibendes, gemeinsames Ergebnis mit – ganz ohne aufwändige Umbauten, weil auf Holzplatten statt auf die Fassade gesprüht wird.
Alte Wurzeln, junge Ausdrucksform
Hinter der Api-Homezone steht ein Verband mit langer Geschichte: Die Apis – der Evangelische Gemeinschaftsverband Württemberg – wurden bereits 1857 in Stuttgart gegründet und haben ihren Sitz bis heute in der Furtbachstraße im Stuttgarter Süden. Landesweit treffen sich in rund 500 Orten in Württemberg Menschen in ihren Gemeinschaften. Dass ein so traditionsreicher Verband seine »Homezone« für eine junge, urbane Kunstform wie Graffiti öffnet, ist genau der Brückenschlag, der solche Workshops stark macht: gewachsene Einrichtung und Straßenkultur treffen sich an der Sprühdose – niedrigschwellig und verbindend.
Noch eine Arbeit für die Apis
Es ist nicht die einzige gemeinsame Arbeit geblieben: In derselben Furtbachstraße wurde auch das Wandbild für das HoffnungsHaus im Leonhardsviertel fertig ausgearbeitet – eine Auftragsarbeit, die live bei einem Stadtteilfest vor dem Haus begonnen wurde und heute im Inneren des HoffnungsHauses hängt. Ebenfalls auf Holzplatten, aber eine ganz andere Aufgabe: kein Workshop mit einer Gruppe, sondern ein Schriftzug für ein Haus, das Frauen aus der Prostitution offensteht.
Das Projekt im Überblick: Graffiti-Wandbild für das HoffnungsHaus im Leonhardsviertel
Was diesen Workshop besonders macht
Dass ein Kreativangebot aus einer Ferienwoche nicht im Keller verschwindet, sondern dauerhaft sichtbar bleibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Bei „Music Moves“ ist genau das gelungen: Aus einem Workshop-Nachmittag wurde ein Stück Einrichtungsgeschichte, das Kinder, Eltern und Mitarbeitende der Api-Homezone jeden Tag sehen können. Für Kirchengemeinden, die einen ähnlichen Workshop planen, zeigt das Beispiel aus Stuttgart-Süd, wie sich Kreativität, Gemeinschaft und ein bleibendes Ergebnis gut verbinden lassen.