← Zurück zum Blog 30. Juli 2026

Warum ein Hase auf der Schul­wand in Bre­u­nings­wei­ler sitzt

Warum ein Hase auf der Schulwand in Breuningsweiler sitzt

Ein Tag, eine Wand, zwölf kleine Künstler:innen

Acht mal drei Meter graue Fläche, ein Tag Zeit, zwölf Kinder mit Sprühdosen in der Hand – so lässt sich der Graffiti-Workshop an der Grundschule Breuningsweiler in Winnenden kurz zusammenfassen. Was nüchtern klingt, war für die beteiligten Kinder ein echtes Abenteuer: die erste eigene Sprühdose, der erste eigene Strich auf einer echten Wand, begleitet von Graffiti-Coach Open Mike aus Stuttgart. Damit aus zwölf unterschiedlichen Ideen am Ende ein stimmiges Gesamtbild wird, gab es vorab Skizzen als Orientierung – genug Struktur, um nicht im Chaos zu enden, aber genug Freiraum, damit die Kinder ihre eigene Handschrift einbringen konnten.

Solche Workshops an Grundschulen unterscheiden sich deutlich von Projekten mit Jugendlichen oder Erwachsenen. Es geht weniger um Style und Technik im klassischen Graffiti-Sinn, mehr um das gemeinsame Gestalten, um Farbe, Form und das Gefühl, etwas Bleibendes geschaffen zu haben. Genau das macht solche Projekttage in der Grundschulpädagogik so wertvoll – sie holen Kunst aus dem Klassenzimmer und lassen Kinder ein Stück ihrer Schule sichtbar mitgestalten.

Nahaufnahme einer gesprühten roten Erdbeere mit grünem Blattkranz auf blauem Wolkenhintergrund, darunter der Schriftzug 'Breuningsweilen' in schwarzer Handschrift, rechts Ansatz eines orangefarbenen Buchstabens.
Die Erdbeere als Detail des Wandbilds

Der Sandhase von Breuningsweiler

Wer durch den Winnender Stadtteil Breuningsweiler kommt, stolpert früher oder später über zwei Spitznamen: „Sandhasen“ und „Brestlingsweiler“. Beide erzählen die Geschichte des Ortes. Rund um Breuningsweiler wurde jahrhundertelang Sand abgebaut, was den Bewohnern den Necknamen „Sandhasen“ einbrachte – noch heute erinnern kleine Steinbrüche und ehemalige Sandsteinhöhlen unter den Häusern daran. Genauso prägend: Der sandige, leicht zu bearbeitende Boden erwies sich als ideal für den Erdbeeranbau. Da diese sandigen Bodenarten leicht zu bearbeiten sind und sich im Frühjahr rasch erwärmen, werden sie in der Landwirtschaft für Sonderkulturen, besonders für den Erdbeeranbau benutzt, und um Breuningsweiler wurde früher viel Sand gegraben, daher der Necknamen „Sandhasen“.

Seit der Brestling – schwäbisch für Erdbeere – 1909 hier eingeführt wurde, ist der Ort als „Brestlingsweiler“ bekannt, und bis heute findet sich die Erdbeere im Wappen von Breuningsweiler. Zwei Spitznamen, ein Ort: der eine erzählt von Sand und Steinbrüchen, der andere von süßen Früchten – zusammen ergeben sie ein kleines Stück gelebter Lokalgeschichte, das viele Kinder aus Breuningsweiler selbst gar nicht mehr kennen.

Genau diesen Sandhasen hat Open Mike ins Wandbild der Grundschule einfließen lassen. Kein zufälliges Motiv, sondern ein bewusster Bezug zur Geschichte des Stadtteils – eine kleine Brücke zwischen Ortsidentität und Kunstwerk, die den Kindern beim nächsten Spaziergang durch den Ort vielleicht auffällt, wenn sie am alten Steinbruch oder an den Hochbeeten der Schule vorbeikommen, in denen bis heute mit Erdbeeren und anderen Pflanzen gearbeitet wird.

Wenn Kunst zur Schulgeschichte wird

Graffiti-Workshops an Schulen leben oft von genau diesem Moment: wenn aus einer bloß bunten Fläche ein Bild mit Bedeutung wird. Für die Kinder der Grundschule Breuningsweiler war der Workshop-Tag mehr als nur Farbe an der Wand – er war eine kleine Lektion in Ortsgeschichte, verpackt in Sprühdosen und Skizzenpapier. Und für Schulen im Rems-Murr-Kreis und rund um Stuttgart zeigt das Beispiel, wie ein Graffiti-Projekttag über das reine “Mal-Erlebnis” hinausgehen kann, wenn man sich vorher mit dem Ort beschäftigt, an dem gearbeitet wird.

Wer selbst eine Schule, Kita oder Projektwoche plant und Lust auf ein ähnliches Format hat: Open Mike kommt mit seinen Graffiti-Workshops nicht nur nach Stuttgart und ins Umland, sondern deutschlandweit dorthin, wo eine graue Wand auf Farbe wartet.

Bilder aus dem Projekt

StuttgartWorkshopSchuleUrban Art