Dietrich Bonhoeffer School – der Schulname als Graffiti

Der Schulname an der eigenen Wand
Wer an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Stuttgart-Plieningen über den Pausenhof geht, liest den Namen der Schule in Graffiti-Buchstaben: DIETRICH — BONHOEFFER — SCHOOL, über mehrere Abschnitte einer langen Wand unter dem überdachten Pausenbereich, in Grün, Gelb und Orange mit schwarzer Kontur. Am Ende der Wand springt eine Manga-Figur mit schwarzen Stachelhaaren im orangefarbenen Kampfanzug aus einer Wolke, dahinter blauer Himmel und eine gemalte rote Backsteinmauer.
Das ist der Unterschied zwischen Farbe an einer Wand und einer Wand, die etwas sagt. Hier steht nicht irgendein Motiv – hier steht, wo man ist.

Ein Workshop, kein Auftrag
Die Wand ist im Rahmen eines Graffiti-Workshops an der Schule entstanden. Das ist ein anderer Ablauf als bei einer Auftragsarbeit: Es geht nicht darum, dass ein Künstler ein fertiges Bild abliefert, sondern darum, dass eine Gruppe zusammen etwas hinbekommt, das größer ist als das, was jeder Einzelne allein geschafft hätte.
Ein Schriftzug über mehrere Wandabschnitte ist dafür eine dankbare Aufgabe. Er lässt sich aufteilen, jeder Buchstabe ist ein eigenes Stück Arbeit, und trotzdem ergibt am Ende alles zusammen ein Bild. Wer an einem einzelnen Buchstaben gearbeitet hat, findet ihn hinterher jeden Tag wieder.
Der Blick auf Plieningen
Plieningen ist der südlichste Stadtbezirk Stuttgarts, rund zehn Kilometer vom Zentrum entfernt auf der Filderebene gelegen – lange ein selbstständiges Dorf, bekannt vor allem durch die Universität Hohenheim mit ihrem barocken Schloss und die historische Martinskirche als Wahrzeichen des alten Ortskerns. Ein Stadtteil also, der bis heute stark von Landwirtschaft, Universität und dörflicher Struktur geprägt ist – und in dem Urban Art auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erwarten wäre.
Genau das macht ein Graffiti-Projekt an einer Schule mitten in diesem eher ländlich geprägten Bezirk interessant: Es bringt eine Ausdrucksform, die aus New Yorker Subway-Yards und europäischen Großstadtkulturen stammt, in einen Stadtteil, der sonst für Schloss, Botanischen Garten und Fachwerk bekannt ist. Wände wie diese zeigen, dass Graffiti längst kein reines Großstadtphänomen mehr ist.
Mehr als Farbe an der Wand
Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule ist ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung, in Trägerschaft der Stiftung Jugendhilfe aktiv.
Der Pausenhof ist ein Ort, an dem Schülerinnen und Schüler jeden Tag Zeit verbringen. Eine Wand mit eigenem Bild, eigener Schrift und eigenem Charakter macht diesen Ort greifbarer – und wenn der Name der Schule in großen Buchstaben dort steht, gestaltet von denen, die jeden Tag davorstehen, dann ist das mehr als Dekoration. Es ist ein sichtbares »hier gehören wir hin«.
Dazu kommt ein praktischer Effekt, den viele Schulen kennen: Graue Betonflächen laden zu wilden Schmierereien ein. Eine gestaltete Wand, an der die eigenen Leute mitgearbeitet haben, wird deutlich seltener übersprüht – sie hat Besitzer.
Graffiti-Workshops für Schulen – deutschlandweit
Ob Grundschule, weiterführende Schule oder Förderzentrum: Ein Graffiti-Workshop lässt sich auf nahezu jede Schulwand, jeden Pausenhof und jedes pädagogische Konzept zuschneiden – als Projekttag, als Kunst-AG oder als größere Wandgestaltung. Open Mike bringt Farben, Konzept und Erfahrung aus zahlreichen Schulprojekten mit und kommt direkt an die Schule: in Stuttgart und deutschlandweit.