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Graffiti an der Reuchlin-Re­al­schu­le: Buch­sta­ben mit der Dose

Graffiti an der Reuchlin-Realschule: Buchstaben mit der Dose

Zwei Tage: erst die Skizze, dann die Wand

Ein gutes Schulprojekt beginnt nicht an der Wand, sondern am Tisch. An der Reuchlin-Realschule in Bad Liebenzell im Kreis Calw hatten wir dafür zwei Tage. Am ersten Tag ging es ans Zeichnen: Die Klasse sammelte im Brainstorming Ideen, probierte Buchstabenformen aus und füllte die Tafel mit ersten Graffiti-Skizzen. Erst wer die Buchstaben auf dem Papier im Griff hat, bringt sie später sicher an die Wand.

Am zweiten Tag wurde umgesetzt – und diese Wand hatte es in sich: kein kleines Format, sondern das Treppenhaus der Schule. Die Schüler:innen sprühten gemeinsam mit Open Mike, den sauberen Endschliff übernahm er selbst.

Schüler:innen zeichnen im Klassenraum der Reuchlin-Realschule Graffiti-Buchstaben, an der Tafel erste Skizzen
Erst der Kopf: Buchstaben-Skizzen im Klassenraum.

»Be Real« – hoch im Treppenhaus

Herausgekommen ist ein großflächiges, farbenfrohes Piece mit dem Schriftzug »Be Real«: verschlungene Buchstaben in Orange, Lila, Rot und Blau, gekrönt von – im wörtlichen Sinne – einer Krone. Der Platz war bewusst gewählt: Die Schule ließ eigens ein Gerüst aufbauen, damit das Bild hoch an der Treppenhaus-Wand entstehen konnte – genau dort, wo die Treppen hinunterführen und man es von oben perfekt im Blick hat. Statt einer kahlen Betonwand empfängt das Treppenhaus die Schüler:innen heute mit einem eigenen, unverwechselbaren Kunstwerk.

Der dreisprachige Namenspatron: Johannes Reuchlin

Dass ausgerechnet eine Reuchlin-Schule zur Bühne für ein Buchstaben-Projekt wird, ist ein schöner Zufall. Johannes Reuchlin (1455–1522), geboren im nahen Pforzheim, war einer der bedeutendsten Humanisten Europas – und ein Meister der Schrift: Erasmus von Rotterdam nannte ihn bewundernd den »Dreisprachigen«, weil er Latein, Griechisch und Hebräisch beherrschte. Sein »Rudimenta Hebraica« galt als das maßgebliche Hebräisch-Lehrbuch seiner Zeit.

Reuchlin verbrachte sein Leben damit, Buchstaben und Sprachen zu erschließen. Rund 500 Jahre später tun seine »Nachfolger« an der Reuchlin-Realschule im Grunde dasselbe – nur mit der Sprühdose statt der Feder. Stylewriting ist die Kunst, Buchstaben Form und Ausdruck zu geben. Von der Feder zur Dose, vom Studierzimmer ins Treppenhaus: Der Namenspatron hätte an diesem Projekt vermutlich seine Freude gehabt.

Graffiti-Workshop für Schulen

Ein Graffiti-Projekt verbindet Kreativität mit echter Teamarbeit – und am Ende steht ein sichtbares Ergebnis, auf das eine ganze Schule stolz sein kann. Ob Projekttag, AG, Schulhof- oder Treppenhaus-Gestaltung: Open Mike arbeitet seit über 30 Jahren mit Schulen in Stuttgart und ganz Baden-Württemberg zusammen, altersgerecht und mit Material und Anleitung vor Ort.

Ihr habt eine Wand, die mehr sein könnte als grauer Beton? Dann kommt der Workshop zu euch – nach Bad Liebenzell, in den Kreis Calw und deutschlandweit.

Bilder aus dem Projekt

SchuleWorkshopUrban ArtBad Liebenzell