← Zurück zum Blog 7. Juli 2026

Wenn die Sprühdose keine Grenzen kennt: Graffiti an einer Förderschule in Stuttgart

Wenn die Sprühdose keine Grenzen kennt: Graffiti an einer Förderschule in Stuttgart

Graffiti dort, wo man es nicht erwartet

Wenn ich an einer ganz normalen Schule einen Graffiti-Workshop gebe, geht es meistens um Technik, Style und den Mut, die erste Line auf die Wand zu setzen. An der Margarete-Steiff-Schule in Stuttgart kam noch etwas dazu: die Frage, wie Graffiti für Kinder und Jugendliche mit Körperbehinderung überhaupt funktionieren kann.

Die Margarete-Steiff-Schule ist eine öffentliche Ganztagesschule für Schülerinnen und Schüler mit chronischen Erkrankungen und körperlichen Beeinträchtigungen. Manche kommen mit dem Rollstuhl, manche mit Gehhilfen, manche brauchen durchgehend Unterstützung. Ein Workshop-Konzept, das ich sonst für Regelschulen oder Firmen nutze, lässt sich hier nicht einfach 1:1 übertragen – und genau das macht solche Projekte für mich besonders spannend.

Fertiges Graffiti-Piece mit gelb-grünem »Kids«-Schriftzug und blauen Highlights an der Schulwand
Graffiti-Workshop an der Margarete-Steiff-Schule in Stuttgart

Anpassen statt Standardprogramm

Die wichtigste Regel bei einem inklusiven Graffiti-Workshop lautet: Das Programm passt sich den Teilnehmenden an, nicht umgekehrt. Das heißt konkret: Arbeitshöhen werden auf Rollstühle abgestimmt, Sprühdosen kommen mit unterschiedlichen Caps zum Einsatz, damit auch bei eingeschränkter Feinmotorik ein sauberes Ergebnis möglich ist, und wo nötig wird gemeinsam gesprüht – eine Hand hält, eine Hand führt.

Das Ziel bleibt dasselbe wie bei jedem Graffiti-Workshop: ein Ausdrucksmittel finden, das nicht nach Schule aussieht. Farbe auf einer Fläche zu verteilen, ein eigenes Motiv zu sehen, das vorher nur eine Idee war – dieses Erlebnis lässt sich mit ein bisschen Kreativität in der Umsetzung fast immer ermöglichen, unabhängig davon, wie viel Bewegungsspielraum jemand hat.

Mädchen mit Basecap sprüht gelb-grüne Graffiti-Outlines an eine weiße Metallwand während des Workshops
Graffiti-Workshop an der Margarete-Steiff-Schule in Stuttgart

Warum solche Projekte an Förderschulen Sinn ergeben

Graffiti-Workshops werden an Schulen in und um Stuttgart meist im Rahmen von Projekttagen, Kunst-AGs oder zur Wandgestaltung gebucht. An einer Schule wie der Margarete-Steiff-Schule kommt ein zusätzlicher Aspekt dazu: Viele Schülerinnen und Schüler haben im Alltag wenig Gelegenheit, sich gleichzeitig körperlich und künstlerisch auszuprobieren. Ein Workshop, bei dem der ganze Körper – oder das, was davon eingesetzt werden kann – zum Werkzeug wird, ist dann mehr als ein netter Projekttag. Er ist eine seltene Gelegenheit, sich selbst in einer neuen Rolle zu erleben: als jemand, der etwas gestaltet, statt nur begleitet zu werden.

Fazit

Ein Graffiti-Workshop an einer Schule für Kinder mit Körperbehinderung braucht mehr Vorbereitung, mehr Geduld und mehr individuelle Absprache als ein klassischer Schulworkshop. Aber genau das macht solche Projekte lohnenswert – für die Schülerinnen und Schüler genauso wie für mich als Coach. Wer in Stuttgart oder der Region Baden-Württemberg über einen inklusiven Graffiti-Workshop für seine Schule nachdenkt, darf sich gerne bei mir melden – ich schaue mir jede Gruppe individuell an und entwickle daraus ein passendes Konzept.

Bilder aus dem Projekt

Graffiti WorkshopInklusionSchuleStuttgartUrban Art