Was ist Biten?
Ich erkläre dir aus der Graffiti-Sprache heraus, was Biten bedeutet und warum das Kopieren fremder Styles ein heikles Thema ist. So findest du den schmalen Grat zwischen Inspiration und Klauen.
Das erklärt dir Open Mike im Video
Heute geht es weiter mit der Graffiti-Sprache, und zwar mit dem Thema Biten. Dazu gibt es unzählige Ansichten: Ab wann ist es Klauen, ab wann ist es Inspiration? Ich gebe dir hier meine Sicht der Dinge. Biten bedeutet für mich in erster Linie, dass du eins zu eins einen Style, ein Element oder eine Buchstabenkombination von jemandem abmalst und es dann als dein eigenes verkaufst. Das ist der Kern.
Dazwischen gibt es natürlich eine große Spannbreite. Entscheidend ist deine Haltung: Wenn du als Writer einen eigenen Style entwickeln willst, dann hinterfragst du automatisch, woher etwas kommt, woher dein Element stammt und woher deine Inspiration. Genau diese Haltung ist die Basis, und sie ist enorm wichtig. Schau also immer wieder ehrlich hin und frag dich, ob das wirklich noch dein Ding ist.
Mach dabei aber bitte nicht den umgekehrten Fehler. Manche sehen überall einen fremden Einfluss und nehmen dann panisch den Radiergummi und radieren jede Sache weg, die irgendwo von jemand anderem kommen könnte. Das ist genauso falsch. Hab Verständnis für dich selbst: Du bist ein Mensch und beeinflussbar, es kommen immer Einflüsse von außen, und das ist völlig in Ordnung und sogar gut.
Mein Tipp: Arbeite mit deinen Elementen. Setz dich hin, feile an deinen Schwüngen und Buchstaben und lass es nicht einfach laufen nach dem Motto egal. Übernimm Verantwortung für deinen Style und arbeite bewusst mit ihm. Wenn du diesen Weg gehst, geht es Schritt für Schritt voran, und dein Style blüht richtig auf. Die beiden Extreme dagegen, also panisch alles wegradieren oder eins zu eins kopieren und als eigenen Style verkaufen, sind beide nicht cool.
Lass Inspiration zu, sie steckt überall: in der Natur, in einer Maserung im Holz, im Muster einer Lampe, das du als Fill-in nutzen könntest. Aus dem Writing übernimmst du natürlich grundlegende Strukturen, das ist völlig okay. Lern bewusst von großen Writern, aber so, dass du verstehst, warum ein Schwung so läuft, warum ein Buchstabe so aufgebaut ist, statt blind abzumalen. Sei niemand, der plump klaut, sondern locker und gleichzeitig ehrlich zu dir selbst. Dann arbeitest du jeden Tag ein Stück an deinem eigenen Style.
Das lernst du in diesem Video
- →Was Biten genau bedeutet: eins zu eins kopieren und als eigenes ausgeben
- →Warum die richtige Haltung dich vor unbewusstem Biten schützt
- →Warum du nicht panisch jeden fremden Einfluss wegradieren solltest
- →Wie du bewusst mit deinen Elementen arbeitest und Verantwortung für deinen Style übernimmst
- →Wie du Inspiration aus Natur und Alltag in eigene Ideen verwandelst
- →Wie du von großen Writern lernst, indem du das Warum hinter ihrem Style verstehst
- Such dir zwei, drei Styles, die dich inspirieren, und analysiere, was genau dir daran gefällt – statt sie nachzumalen.
- Nimm ein einzelnes Element, das dir gefällt, und baue es bewusst zu etwas Eigenem um.
- Reflektiere bei deiner nächsten Skizze ehrlich, welche Teile von dir kommen und welche zu nah an einer Vorlage sind.
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