Skyline und Billardkugeln: Wie eine Wand im Jugendhaus zur Bühne wird

Eine Wand, die zum Aufenthaltsort wird
Jugendhäuser leben von Räumen, in denen man gerne bleibt. Tischkicker, Billardtisch, ein paar Getränke – und eine Wand, die bislang einfach nur da war. Genau an diesem Punkt kam Open Mike für das Café 11 im Jugendhaus Zuffenhausen ins Spiel: Der Auftrag lautete, den Jugendlichen dort eine schönere Billard-Atmosphäre zu schaffen.
Vom Konzept zur Wand
Bevor überhaupt eine Dose aufging, stand die Idee. Open Mike entwickelte das Konzept vorab: ein Bezug zur eigenen Stadt, sichtbar über die Zuffenhausen- und Stuttgart-Skyline, kombiniert mit fliegenden Billardkugeln. Bewusst in einem einfach wirkenden Design gehalten – kein überladenes Motiv, sondern eine klare, sofort lesbare Szene. Wer im Café 11 am Tisch steht, soll das Bild erfassen, ohne lange suchen zu müssen.

Warum roter Himmel
Ein Detail, das dem Motiv seine Stimmung gibt, ist der rote Himmel hinter der Skyline. Er passt zum Charakter eines Billardcafés – etwas Abend, etwas Bar, etwas eigene Welt innerhalb des Jugendhauses. Die Farbwahl ist damit kein Zufall, sondern Teil des Konzepts: Atmosphäre entsteht nicht nur über das Motiv selbst, sondern über die Stimmung, die die Farben transportieren.
Zwei Tage vor Ort
Die Umsetzung selbst fand direkt im Jugendhaus statt. Open Mike war zwei Tage vor Ort in Stuttgart-Zuffenhausen, um die Wand zu besprühen – vom ersten Untergrund bis zum fertigen Bild. Für ein Jugendhaus, in dem täglich Betrieb herrscht, ist das eine überschaubare Zeit: kurz genug, um den Alltag nicht lange zu stören, lang genug, um ein Motiv mit Tiefe und Details entstehen zu lassen.
Zuffenhausen – ein Stadtteil, der fürs Machen steht
Dass eine selbstgesprühte Skyline gerade in Zuffenhausen gut ankommt, passt zum Charakter des Stadtteils. Der Stuttgarter Norden ist seit jeher industriell geprägt: 1937 verlegte Porsche seinen Sitz hierher, 1950 lief in Zuffenhausen der erste Porsche 356 vom Band – bis heute ist der Stadtteil das Herz der Sportwagenfertigung. Ein Ort also, an dem seit Generationen mit den Händen gearbeitet und gebaut wird. Eine gesprühte Wandgestaltung knüpft genau daran an: Statt Präzision aus dem Werk entsteht hier freie Formsprache aus der Sprühdose – aber der Grundgedanke bleibt derselbe, mit den eigenen Händen etwas Bleibendes zu schaffen.
Mehr als Dekoration
Wandgestaltung im Innenraum – ob im Jugendhaus, im Café oder im Aufenthaltsraum einer Einrichtung – hat in solchen Kontexten oft einen doppelten Zweck: Sie verschönert den Raum, aber sie schafft auch Identifikation. Eine Skyline mit lokalem Bezug spricht Jugendliche anders an als ein austauschbares Motiv von der Stange. Sie erkennen ihre eigene Stadt, ihren eigenen Stadtteil wieder – und das macht aus einer Wand mehr als nur Farbe.
Für Einrichtungen, Jugendhäuser oder Cafés in Stuttgart und der Region Baden-Württemberg, die einen ähnlichen Effekt suchen, zeigt das Projekt im Café 11 exemplarisch, wie viel Wirkung ein durchdachtes, aber reduziertes Konzept erzielen kann – ganz ohne aufwendige Fotorealismus-Technik, dafür mit klarem Bezug zum Ort und zur Nutzung des Raums.