Vom grauen Hof zum Stadion: Ein Graffiti-Projekt mit Jugendlichen in Stuttgart-Süd

Ein Hof, der schon lange nach Farbe schrie
Wer schon mal an einer Jugendeinrichtung in einer Stuttgarter Innenstadtlage vorbeigekommen ist, kennt das Bild: ein funktionaler Innenhof, grauer Beton, ein paar Tore aus Stangen – und trotzdem der Lieblingsort der Kids, weil hier jeden Tag Fußball gespielt wird. Genau so ein Hof war es auch bei der Mobilen Jugendarbeit in Stuttgart-Süd, in der Fangelsbachstraße. Die Fläche wurde genutzt, so gut es ging, aber sie sah eben aus wie ein Hinterhof – nicht wie ein Ort, auf den man stolz sein kann.
Die Idee: Wenn hier schon Fußball gespielt wird, dann richtig
Statt eines klassischen Wandbilds entstand die Idee, den kompletten Hof in seiner Funktion aufzugreifen und optisch zu übersteigern: aus dem Kickplatz sollte ein kleines Stadion werden. Rote Laufbahn außenrum, sattes Grün für das Spielfeld, dazu eine gemalte Tribüne mit Publikum im Hintergrund. Die Technik dahinter ist bewusst einfach gehalten – gerade das sorgt aber dafür, dass die Illusion aus der richtigen Perspektive erstaunlich realistisch wirkt. Man muss zweimal hinschauen, um zu merken: Das ist keine echte Tribüne, sondern Farbe auf Beton.

Sechs Tage, ein Assistent, viele kleine Handgriffe
Sechs Tage hat die Umsetzung gedauert – nicht am Stück im Eiltempo, sondern Schritt für Schritt, wie es sich für ein Projekt an einem laufenden Betrieb einer Jugendeinrichtung gehört. Besonders war dabei, dass ein Jugendlicher aus der Einrichtung als Assistent mit dabei war und tatkräftig mitgeholfen hat. Das ist im Grunde der Kern dessen, was Graffiti-Projekte im Kontext von Mobiler Jugendarbeit ausmachen können: Es geht nicht nur um das fertige Bild, sondern auch darum, dass jemand mitgestaltet, mitentscheidet und am Ende sagen kann, er hat selbst mit angepackt.
Details, die man erst auf den zweiten Blick sieht
Neben der großen Stadion-Illusion gibt es im Bild auch leise Details. Mit sogenannten One-4-All-Markern – einer feinen Stift-Technik, die sich gut für Konturen und kleine Elemente eignet – wurde unter anderem eine Caritas-Fahne hinter einem der Tore ergänzt. Ein kleiner, fast versteckter Hinweis auf den Träger der Einrichtung, der zeigt: Auch im Kleinen steckt in solchen Projekten oft mehr Handwerk und Überlegung, als man auf den ersten Blick vermutet.
Was von so einem Projekt bleibt
Am Ende steht ein Hof, der immer noch genauso zum Fußballspielen genutzt wird wie vorher – nur dass er jetzt aussieht, als würde man in einem echten kleinen Stadion kicken. Für die Jugendlichen in Stuttgart-Süd ist das mehr als nur Dekoration: Es ist ein Ort, an dem sichtbar ist, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, was ihnen wichtig ist. Genau solche Projekte sind es, die Urban Art aus Stuttgart im sozialen Kontext leisten kann – nicht laut, sondern in aller Ruhe, mit viel Handarbeit und einem Blick für das, was vor Ort schon längst gelebt wird.